More Infos:


Hans Simon Holtzbecker, Hamburger Blumenmaler des 17.Jahrhunderts: Botanische, garten- und kunsthistorische Aspekte. Ergebnisse einer Tagung am 27. und 28. Okt. 2000 und Katalog einer Ausstellung vom 26. Okt. bis 23. Dez. 2000 in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg.

Anlage, Pracht und Formenvielfalt nobler Gärten der Renaissance und des Barock sind längst vergangen. Überliefert werden sie uns jedoch durch einige handgemalte Blumenbücher - Darstellungen von herausragender Qualität. Zu diesen "Florilegien" zählt ein um 1660 entstandenes, ursprünglich fünfbändiges Album des Hamburger Blumenmalers HANS SIMON HOLTZBECKER. Das Werk war nahezu der Vergessenheit anheimgefallen, denn es galt über drei Jahrhunderte hinweg als verschollen. Jetzt sind drei der Bände wieder aufgefunden worden. Zusammen mit dem "Hortus Eystettensis" des BASILUS BESLER von 1613 und den vier HOLTZ-BECKERschen Bänden des "Gottdorfer Codex" des BASILIUS BESLER von 1613 ergeben sich damit weit gefächerte Einblicke in die Gartenkultur der Anlagen von Fürstbischöfen, Herzögen und ... der Lustgärten eines Hamburger Bürgermeisters sowie von wohlhabenden Kaufleuten der Hansestadt in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Der vorliegende Band Über die Hamburger Florilegien stellt diese Werke in einen größeren kulturellen Zusammenhang und bietet somit Einblick in die damalige, mit Sammlerleidenschaft einhergehende Gartenkunst. Bezaubernd schöne alte Sorten werden dargestellt. Bildliche Darstellungen und Garteninventare vermitteln eine Vorstellung von der Anlage und Vielfalt einstiger Lustgärten. Schon damals waren Blumenlieferungen aus den Niederlanden von Bedeutung. Aber auch die jetzt belegte frühe Einfuhr zahlreicher Zierpflanzen aus fernen Ländern dürfte den Leser beeindrucken.

Nachdem innerhalb von zwei Jahren mit staatlichen und privaten Mitteln zwei der wieder aufgetauchten Bände des "MOLLER-Florilegium" - gemalt im Auftrage des damaligen Hamburger Bürgermeisters BARTHOLD MOLLER - für die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg erworben werden konnten und sich der Verbleib eines dritten Bandes klären ließ, bestand Anlaß zu einer Ausstellung. Die hier zusammengefaßten Beiträge zu einer damit einhergehenden wissenschaftlichen Tagung zeichnen ein lebhaftes Bild der vielgerühmten Hamburger und Gottdorfer Gärten der Zeit unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Das zu Unrecht nur wenig bekannt gewesene Werk HOLTZBECKERS belegt, daß er einer der großen Blumenmaler der Epoche zwischen Renaissance und Barock gewesen ist. Sein "Gottdorfer Codex" galt zeitweilig sogar als Werk von MARIA SIBYLLA MERIAN.

DIETRICH ROTH, promovierter Botaniker, ist Bibliotheksdirektor an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Der Ankauf und damit die Sicherung der beiden Bände des MOLLER-Florilegium des HANS SIMON HOLTZBECKER sind vor allem seiner Initiative zu verdanken.